Der Bus fuhr lange. Nachdem die Salzwüste hinter ihnen verschwunden war, wurde der Boden wieder sandiger. Die Reifen hinterließen Spuren, die im Licht der Scheinwerfer kurz sichtbar blieben, bevor der Wind sie wieder verwischte. Die Landschaft veränderte sich kaum. Flache Dünen. Offene Ebenen. Ein Horizont, der langsam dunkler wurde.
Der Abend kam ohne Eile. Die Sonne sank tiefer, und das Licht der Wüste verlor seine Härte. Die Schatten wurden länger, bis sie ineinander übergingen. Die Farben verblassten zuerst zu Staub, dann zu Grau. Im Bus wurde es stiller. Der Tag löste sich langsam aus den Körpern der Reisenden, als würde jemand eine Spannung aus der Luft nehmen.
Sarah hatte die Hände im Schoß gefaltet. Manchmal bewegten sich ihre Lippen, als würde sie eine Melodie suchen, die sie noch nicht ganz gefunden hatte. Souad sah hinaus. Der Himmel begann sich zu verändern. Die ersten Sterne erschienen, vorsichtig, als wollten sie prüfen, ob die Nacht wirklich bleiben würde.
Jonah saß ruhig. Das dünne Flackern kam manchmal zurück - kaum sichtbar, wie ein Licht, das durch eine schmale Ritze fällt. Er atmete langsam, bis es wieder verschwand. Der Djinn war irgendwo in der Nähe. Das Wort, das er flüsterte, kam aus der vertrauten Richtung. Loslassen. Doch in der Dämmerung verlor es seine Schärfe.
Der Bus fuhr weiter. Der Himmel wurde dunkler, und mit ihm wurde die Wüste größer. Die Nacht kam schnell, wie sie es in der Wüste oft tut. Innerhalb weniger Minuten verschwand das letzte Licht des Tages. Der Himmel vertiefte sich zu einem dunklen Blau, das bald fast schwarz wurde. Dann erschienen die Sterne. Zuerst einige wenige, dann immer mehr, bis der Raum über ihnen von Lichtpunkten durchzogen war.
David fuhr noch eine Weile. Die Scheinwerfer schnitten zwei helle Bahnen in den Sand. Alles außerhalb dieses Lichts gehörte der Dunkelheit. Der Bus bewegte sich gleichmäßig durch die Nacht. Der Motor klang wie ein ruhiger Atemzug. Dann nahm David langsam den Fuß vom Gas. Der Bus wurde langsamer. Niemand fragte warum.
Schließlich hielt er an. Der Motor verstummte. Mit ihm verschwand das einzige Geräusch, das nicht zur Wüste gehörte. Für einen Moment blieb alles vollkommen still. Dann öffnete Sarah die Tür. Die Reisenden stiegen aus. Die Luft war kühl geworden. Der Sand unter ihren Füßen fühlte sich fest an, und die Nacht hatte eine Klarheit, die am Tag verborgen blieb.
Der Himmel war größer, als sie ihn erwartet hatten. Die Sterne standen dicht über ihnen, so zahlreich, dass zwischen ihnen kaum Dunkelheit blieb. Ein breiter Streifen aus Licht zog sich quer über das Firmament, als hätte jemand eine Spur aus Staub und Sternen über den Himmel gelegt. Die Reisenden standen verstreut um den Bus. Niemand ging weit. Es gab nichts zu suchen. Nur den Himmel.
Der Bus stand still hinter ihnen. Seine Farben waren im Dunkel kaum zu erkennen, und doch wirkte er vertraut, wie ein ruhendes Tier, das ebenfalls in die Nacht lauschte. Souad hob den Kopf. Sie drehte sich langsam, als wollte sie den Himmel in sich aufnehmen, Stück für Stück. Jonah sah ebenfalls nach oben. Der Djinn schwieg. Vielleicht hatte auch er keinen Satz für diesen Raum.
bint ar-rīaḥ strich über die Ebene. Der Wind kam aus der offenen Wüste, berührte kurz den Bus und zog weiter in die Dunkelheit. Er bewegte ein paar Sandkörner und ließ sie leise über den Boden gleiten. Eine Weile standen sie einfach da. Die Zeit veränderte sich in dieser Nacht. Minuten wurden schwerer zu erkennen. Niemand sah auf eine Uhr.
Karim setzte sich schließlich in den Sand. David blieb neben dem Bus stehen und folgte mit dem Blick der Bewegung der Sterne. Sarah summte leise eine Melodie, doch der Ton verlor sich sofort im offenen Raum. Souad sah lange nach oben, als würde sie versuchen, eine Richtung zu erkennen, die nicht auf Karten stand. Der Bus wartete. Die Wüste wartete ebenfalls.
Irgendwann öffnete David wieder die Tür. Einer nach dem anderen stiegen sie ein. Der Motor sprang an. Das Geräusch wirkte für einen Moment fremd in der großen Stille. Der Bus setzte sich langsam wieder in Bewegung. Die Scheinwerfer fanden den Sand vor ihnen. Und die Nacht schloss sich hinter ihnen, als hätte sie den kurzen Aufenthalt der Reisenden nur geduldet.