Der Bus fuhr weiter. Die Spuren der Karawanenkreuzung lagen bald hinter ihnen. Karim sah noch einmal zurück. "Wohin fahren wir eigentlich?" Niemand antwortete sofort. David hörte auf den Motor. Der Klang war ruhig, gleichmäßig. Schließlich sagte Souad: "Vielleicht fahren wir nicht irgendwohin." Sarah sah sie an. "Sondern?" Souad zuckte leicht mit den Schultern. "Einfach weiter."
Der Bus rollte über den Sand. Die Koffer vibrierten leise im Gepäckraum. Und der Wind lief neben ihnen her: bint ar-rīaḥ. Langsam veränderte sich die Landschaft: Zuerst wurde der Sand fester. Die Spuren des Busses blieben kürzer sichtbar, bis sie ganz verschwanden. Dann tauchten einzelne Steine auf. Kleine dunkle Rücken, die aus dem Boden ragten. Dann einzelne Formen. Türme, Bögen, zerklüftete Wände aus Sandstein, die langsam näher rückten.
"Seht euch das an", sagte Souad. David verlangsamte den Bus. Zwischen den Felsen öffnete sich eine breite Fläche, fast wie ein natürlicher Platz. Er fuhr noch ein Stück weiter und hielt schließlich an. Für einen Moment blieb es still im Bus. Dann öffnete jemand die Tür. Die Reisenden stiegen aus. Der Bus wirkte plötzlich klein auf der offenen Fläche aus hellem Stein. Hinter ihm standen Felsbögen und zerklüftete Türme, als hätten sie dort schon immer gewartet.
Niemand schlug eine Richtung vor: Die Gruppe löste sich fast von selbst auf. David und Karim gingen nur wenige Schritte vom Bus weg. Sarah und Souad kletterten auf einen niedrigen Rücken, von dem aus man weiter sehen konnte. Der Wind war hier oben stärker: Er kam über das Plateau, glitt an den Felsen entlang und verschwand wieder zwischen den Schluchten. Manchmal klang er wie ein fernes Echo.
Jonah ging langsam zwischen zwei hohen Felswänden hindurch. Der Djinn war noch da, irgendwo am Rand seiner Gedanken. Das Wort, das er flüsterte, war vertraut geworden: Loslassen. Aber hier oben verlor die Stimme etwas von ihrer Schärfe. Der Wind nahm sie mit sich und trug sie fort, bevor sie ganz ausgesprochen war.
Jonah blieb stehen und sah sich um. Die Felsen standen weit auseinander. Zwischen ihnen lag ein Boden aus hellem Stein, glattgeschliffen von Zeit und Wind. An manchen Stellen sah man dunklere Linien im Gestein, als hätte die Landschaft selbst Spuren gezogen. Weiter oben erreichte er den Rand des Plateaus: Dort endeten die Felsen plötzlich. Dahinter lag wieder offene Wüste. Der Sand begann sofort hinter dem Stein, als hätte jemand eine Grenze gezogen. Die Ebene dehnte sich bis zum Horizont aus, ein ruhiges Meer aus Licht.
Jonah blieb stehen und sah hinunter. Von hier oben war der Bus vollständig zu erkennen. Ein dunkles Rechteck auf der hellen Fläche des Plateaus. Die Tür stand offen, und daneben bewegten sich einige der anderen Reisenden langsam zwischen den Felsen. Der Bus sah kleiner aus als zuvor. Fast wie ein Gegenstand, der nicht wirklich zu dieser Landschaft gehörte. Der Wind zog über das Plateau: Er kam von weit draußen aus der Wüste. Nach und nach kehrten die Reisenden zum Bus zurück. Niemand fragte, was die anderen gesehen hatten.
Als alle wieder da waren, stiegen sie ein. David setzte sich ans Steuer und startete den Motor. Das Geräusch wirkte für einen Moment fremd in der stillen Landschaft. Der Bus rollte langsam über den Stein und fand den Weg zwischen den Felsen zurück zur offenen Ebene. Hinter ihnen blieb das Plateau still zurück. Der Stein ging wieder in Sand über. Und irgendwann bemerkte niemand mehr genau, wann die Felsen aus dem Rückspiegel verschwunden waren.