Der Bus fuhr noch eine Weile, nachdem der Sand ihn freigegeben hatte. Die Sonne sank langsam hinter die Dünen, und die Hitze verlor ihre Schwere. Als sie anhielten, war der Himmel bereits dunkel.
Sarah breitete Decken im Sand aus. Der Boden war noch warm, aber die Luft kühlte schnell. Der Bus stand still. Der Motor knackte leise, während er abkühlte. Über ihnen spannte sich ein Himmel voller Sterne. So klar, dass es wirkte, als hätte jemand das Dunkel poliert.
Karim saß ein wenig abseits und betrachtete den Horizont. David lag auf dem Rücken und folgte mit dem Blick den Sternbildern, als suche er nach einer Ordnung, die nicht aus Büchern kam. Souad hatte die Augen geschlossen. Der Wind spielte mit einer Strähne ihres Haares.
Jonah schlief nicht. Die Sterne waren zu hell. Die Stille der Wüste hatte etwas, das ihn wach hielt. Ein dünnes Flackern zog durch seinen Blick. Fast wie ein Riss im Licht. Dann hörte er eine Stimme. Nicht laut. Mehr ein Gedanke.
"Du bist müde." Jonah bewegte sich nicht. Der Sand unter seiner Hand war kühl geworden. "Die meisten Menschen kämpfen sehr lange", sagte die Stimme. "Dabei ist Loslassen viel einfacher." Jonah schloss kurz die Augen. "Wer bist du?" Die Antwort kam sofort. "Nur ein Zuhörer."
Der Wind strich über den Sand. Bint ar-rīaḥ änderte kurz die Richtung und fuhr durch die kleine Gruppe wie ein prüfender Atem. Die Stimme schwieg einen Moment. Dann sagte sie fast heiter: "Menschen nennen es Hoffnung. Ich nenne es Gewohnheit." Jonah öffnete die Augen. Der Himmel war unverändert. Die Sterne standen still. "Du könntest einfach liegen bleiben", sagte die Stimme. "Die Wüste hat Geduld."
Jonah sah zu den anderen. Sarah schlief. David atmete ruhig. Souad hatte den Kopf leicht gedreht, als würde sie einen Traum verfolgen. Jonah sagte nichts. Der Wind strich noch einmal über den Sand. Und diesmal war er stärker. Fast wie eine Antwort.
Die Stimme lachte leise. "Ah", sagte der Djinn. "Der Wind passt auf." Dann verschwand sie. Jonah blieb lange wach. Er wusste nicht, ob er wirklich etwas gehört hatte. Irgendwann schloss er doch die Augen. Der Wind wurde wieder ruhig. Und über der Wüste standen weiterhin die Sterne.
Am Morgen war der Himmel so klar, als hätte die Nacht etwas fortgetragen. Der Bus fuhr weiter. Gegen Mittag tauchten am Horizont die ersten Lehmhäuser auf.