Die Hitze war so dicht, dass sie Geräusche dämpfte. Selbst der Motor klang, als käme er aus einem anderen Raum.
Der Bus begann zu ruckeln. Erst kaum merklich, dann mit einer Art enttäuschtem Seufzen. Die Hinterräder drehten durch und versanken ganz langsam, als hätte der Sand nur darauf gewartet, endlich etwas festhalten zu dürfen.
"Wir stehen", sagte Sarah, aber ihre Stimme verlor sich sofort in der flimmernden Luft. Karim schob das Fenster auf. Ein Schwall heißer Wind strömte herein - und mit ihm etwas, das wie ein kurzes Flüstern klang. Sie stiegen aus, einer nach dem anderen. Wenn die Füße den Boden berührten, vibrierte der Sand leicht, als würde er prüfen, wer da war.
Souad kniete sich hin, zog eine Spur mit dem Finger. Der Sand reagierte - die Linie bewegte sich einen Moment weiter, ein eigenes Zögern, ein eigenes Auslaufen, als hätte sie einen Nerv getroffen.
Jonah öffnete den Kofferraum. Die Koffer lagen dort wie schlafende Tiere. Er griff nach seinem - und erschrak: Der Griff war warm, fast pulsierend. Als er zog, blieb der Koffer an einer unsichtbaren Schwere hängen.
Davids Koffer summte leise, als stünde darin eine Saite unter Spannung. Souads Koffer roch nach bitterem Kraut, stark genug, um Träume zu stören. Sarahs Koffer hatte feinen Sand zwischen den Reißverschlüssen, der leise zischte wie ein Atemzug. Jonahs Koffer wirkte schwerer als am Morgen, als hätte die Wüste etwas hineingelegt. Karims Koffer gab ein dumpfes Geräusch von sich, als würde ein Stein dagegen klopfen.
"Sie lassen sich nicht rausnehmen", murmelte Jonah, mehr zu sich als zu den anderen. David nickte. "Sie wollen bleiben." Der Bus schien tiefer einzusinken. Doch als Karim seine Hand an das Blech legte, vibrierte es kurz wie eine Antwort - nicht ängstlich, eher trotzig.
Bint ar-rīah glitt über den Sand und umspielte ihre Knöchel. Sie wirkte fast neugierig, als hätte sie diesen Moment vorausgeahnt. Der Djinn jedoch hielt sich zurück, lauerte nur, still unter der Oberfläche.
"Wir können nicht schieben", flüsterte Souad. "Er lässt sich so nicht bewegen. Der Sand hält ihn fest." "Vielleicht müssen wir nicht schieben", sagte Sarah und legte die Hand an die Karosserie. Ein leiser Ton ging durch den Bus, als hätte er eine Saite in seinem Inneren, die auf ihre Berührung reagierte.
David trat näher, schloss die Augen und legte ebenfalls die Hand an das Blech. Der Ton wurde tiefer, fast harmonisch. Die anderen taten es ihnen gleich. Der Bus vibrierte. Der Sand antwortete mit einem dumpfen Grollen.
Dann - ganz langsam - hob sich der Bus ein Stück, als würde sich die Wüste umentscheiden. Die Reifen fanden Halt, rollten erst zögerlich, dann leichter, als hätte etwas unter der Oberfläche nachgegeben.
Bint ar-rīah stieg kurz auf wie ein Wirbel, kichernd oder warnend - schwer zu sagen. Der Djinn verharrte in der Tiefe, aber irgendetwas in der Erde schien enttäuscht.
Sie stiegen wieder ein. Niemand sagte etwas. Der Bus fuhr weiter, als wäre nichts geschehen - doch jeder wusste, dass dies kein Festfahren im technischen Sinn gewesen war. Die Wüste hatte sie erkannt. Und sie hatte beschlossen, sie noch ein Stück mitzunehmen.