Der Bus fuhr weiter. Der Wind hatte sich wieder gelegt. Nur gelegentlich strich noch eine schwache Bewegung über den Sand, als würde die Wüste prüfen, ob sie wirklich zur Ruhe gekommen war. Im Bus war es still. Die Reisenden saßen auf ihren Plätzen, jeder mit dem eigenen Blick aus dem Fenster oder auf die Hände gerichtet.
Der Morgen hatte inzwischen an Wärme gewonnen, doch etwas von der Begegnung mit dem Wind blieb in der Luft, eine leichte Spannung, die niemand benannte. David fuhr. Der Bus bewegte sich gleichmäßig über den Sand. Das leise Knirschen der Reifen war das einzige Geräusch, das den Innenraum füllte.
Die Koffer standen dort, wo sie immer standen. Unter den Sitzen. Angelehnt an die Wand. Still. Zuerst bemerkte David das Geräusch. Ein kurzes metallisches Klingen, kaum lauter als ein Atemzug. Er sah kurz in den Rückspiegel. Niemand hatte sich bewegt. Der Bus fuhr weiter. Wieder klang es. Leise. Wie eine Saite, die kurz berührt wird.
David runzelte die Stirn, sagte aber nichts. Souad hatte den Kopf an die Scheibe gelehnt. Die Landschaft zog langsam vorbei, ein gleichmäßiges Muster aus Sand und Licht. Neben ihrem Sitz stand ihr Koffer. Der Spiegel darin fing einen schmalen Streifen Licht auf und warf ihn quer durch den Bus, einen flüchtigen Reflex, der kurz über die Decke wanderte und wieder verschwand. Souad bemerkte ihn erst, als er schon weg war. Sie sah zum Koffer. Dann wieder nach draußen.
Jonah saß mit geschlossenen Augen da. Sein Notizbuch lag im geöffneten Koffer. Die Seiten waren leer, wie sie es immer gewesen waren. Der Bus fuhr über eine leichte Senke. Das Papier bewegte sich kaum merklich. Eine der Seiten wölbte sich nach oben, als hätte jemand darunter ausgeatmet. Jonah öffnete die Augen. Für einen Moment sah er nur die Bewegung. Dann legte sich die Seite wieder zurück. Er sagte nichts.
Sarah hatte ihren Koffer neben dem Sitz stehen. Das kleine Liederbuch darin war zwischen andere Dinge geraten. Als der Bus eine kleine Unebenheit im Sand überquerte, rutschte es leicht zur Seite. Es blieb offen liegen. Eine Seite war aufgeschlagen. Sarah sah kurz hinüber. Es war nicht die Seite, die sie erwartete. Sie legte die Hand darauf, als würde sie das Buch beruhigen, und schob es wieder zurück in den Koffer.
Im hinteren Teil des Busses saß Karim. Sein Blick war ruhig. Neben seinem Fuß stand sein Koffer, halb geöffnet wie immer. Die alte Armbanduhr lag darin, die Zeiger seit Jahren auf derselben Minute stehen geblieben. Der Bus fuhr weiter. Für einen Moment war es völlig still. Dann hörte Karim ein leises Geräusch. So schwach, dass er zuerst glaubte, es komme vom Motor. Er sah hinunter. Die Uhr bewegte sich nicht. Doch der Sekundenzeiger zuckte. Nur einmal. Ein kurzer, trockener Klick. Dann stand er wieder still. Karim sah noch einen Moment länger hin. Dann schloss er langsam den Koffer.
Der Bus fuhr weiter durch die offene Wüste. Niemand sprach über das, was geschehen war. Vielleicht hatte jeder nur ein kleines, flüchtiges Zeichen gesehen. Vielleicht war es auch nichts gewesen. Doch die Koffer standen nicht mehr ganz so still wie zuvor. Als hätte die Wüste, während der Bus hielt und der Wind über sie hinwegging, für einen Augenblick ihre Hände hineingelegt. Der Bus fuhr weiter. Und mit ihm das, was die Reisenden trugen.