XII. Die falsche Spur

Der Bus fuhr weiter. Ab und zu strich der Wind leicht über den Sand und verwischte die Spuren, die der Bus hinterließ. Die Ebene war weit und offen. Im Bus war es still. David fuhr. Der Bus bewegte sich gleichmäßig über den festen Sand.

Nach einer Weile sah Karim aus dem Fenster. Zuerst achtete er nicht darauf. Die Spur der Reifen lief wie immer hinter dem Bus her, zwei parallele Linien, die sich langsam im Sand verloren. Dann runzelte er die Stirn. "David." David sah kurz in den Rückspiegel. "Ja?" Karim zeigte nach vorne. "Siehst du das?"

Der Bus wurde langsamer. Vor ihnen, im Sand, liefen zwei Linien. Reifenspuren. Frisch. Die gleiche Breite. Der gleiche Abstand. Sie verliefen genau in die Richtung, in die der Bus gerade fuhr. David nahm den Fuß vom Gas. Der Bus rollte noch ein paar Meter. Dann hielt er. Der Motor verstummte. Niemand sprach.

Sarah öffnete die Tür. Die Reisenden stiegen aus. Die Spuren lagen deutlich im Sand. Hinter dem Bus verliefen ihre eigenen Reifenspuren. Vor ihnen lagen weitere. Identisch. Souad ging ein paar Schritte nach vorne. Sie folgte der Spur mit den Augen. "Vielleicht ist hier vorher jemand gefahren", sagte sie. Doch während sie sprach, merkte sie selbst, wie unwahrscheinlich der Gedanke war.

Die Wüste war leer. Und die Spur war frisch. Jonah sah nach hinten. Die Spuren hinter dem Bus waren eindeutig. Sie führten zu ihnen. Doch die Spuren vor ihnen sahen genauso aus. Karim kniete sich kurz hin und legte die Hand neben einen der Abdrücke. Der Sand war noch locker. "Das sind unsere", sagte er leise. Niemand antwortete.

Der Djinn war da. Nicht als Stimme. Eher als Gedanke, der sich zwischen ihnen bewegte. Ein leiser Zweifel. Vielleicht sind wir hier schon gewesen. Vielleicht fahren wir im Kreis. Vielleicht hat die Wüste keine Richtung. Jonah spürte die Wärme in seiner Brust wieder. Nicht stark. Aber vertraut. Loslassen. Der Gedanke war diesmal anders. Nicht Auflösung. Eher ein stiller Vorschlag: Es spielt keine Rolle, wohin ihr geht.

Der Wind kam. bint ar-rīaḥ strich über die Ebene. Langsam. Der Sand begann sich zu bewegen. Zuerst nur leicht. Dann stärker. Die Linien der Reifenspuren wurden weicher. Die Ränder verschwammen. Der Wind fuhr über den Boden, als würde jemand mit einer großen Hand über den Sand streichen. Die Spuren vor dem Bus verschwanden. Dann begannen auch die Spuren hinter dem Bus zu verblassen.

Nach wenigen Minuten war die Ebene wieder glatt. Keine Richtung. Keine Spur. Nur Sand. Die Reisenden standen still. David sah über die leere Fläche. Dann drehte er sich um und stieg wieder in den Bus. Einer nach dem anderen folgten sie ihm.

Der Motor sprang an. Der Bus setzte sich langsam wieder in Bewegung. Die Reifen zeichneten neue Spuren in den Sand. Der Wind folgte ihnen ein Stück. Dann begann er, auch diese Linien zu verwischen. Als hätte die Wüste beschlossen, die Frage nach der Richtung für sich zu behalten.